Koshas – die yogischen Schichten

Die Koshas

Die westliche und die yogische Sichtweise des menschlichen Körpers sind sehr unterschiedlich. Anders als in unserem westlichen Verständnis der menschlichen Anatomie und Physiologie, geht die yogische Philosophie von fünf Schichten (oder Hüllen) des Körpers aus.

In Sanskrit heißen diese Hüllen die Koshas. Diese fünf Schichten reichen von der groben physikalischen Ebene (Shtula Sharira – Physischer Körper) zu den subtileren energetischen Ebenen (Sukshma Sharira – Astral Körper) und bilden eine Art Umhang oder Umhüllung des Höheren Selbst, Atman (Karana Sharira – Kausal Körper). Unsere Yoga-Praxis ermöglicht uns, uns durch diese verschiedenen Schichten durchzuarbeiten. Somit begeben wir uns buchstäblich auf eine “Reise nach innen” zum Höheren Selbst. Dieses Modell des Menschen wird in der Taittiriya Upanishad beschrieben, die den passenden Titel “Aufstieg zur Freude” trägt, wenn man bedenkt, dass die letzte Schicht des menschlichen Körpers pure Freude,Ananda (auch oft als Glückseligkeit übersetzt), ist. In dem wir Schicht nach Schicht durchqueren, werden wir genau auf diese Erfahrung der reinen Freude kommen. Die Quelle dieser Glückseligkeit, Ananda, ist Brahman.

Die Upanishaden lehren, dass Brahman, als Quelle der Freude, auch die Quelle der gesamten Existenz ist. Aus Brahman stammen auch die

fünf Schichten/Hüllen des menschlichen Körpers. Die fünf Koshas sind demnach:[1]

  • Anamaya Kosha (materielle Ebene/ “Nahrungshülle”): Die materielle, körperliche Schicht, die man sehen und anfassen kann, besteht aus Nahrung (ana). Dazu zählt das Essen, aber auch das, was wir uns durch unsere Sinne zuführen. Auch die fünf Elemente gehören zu dieser Schicht: prithivi – Erde; apas – Wasser; agni – Feuer; vaju – Luft; akasha – Äther/Raum.
  • Pranamaya Kosha (Vitalitäts-Ebene/ “Energiehülle): In der Anamaya Kosha ist die Pranamaya Kosha enthalten, die aus Prana, der grundlegenden Lebenskraft, besteht. In den Upanishaden heißt es:” Mann und Frau, Tier und Vogel leben von Atem. / Atem heißt also das wahre Zeichen des Lebens. / Es ist die Lebenskraft in jedem, die bestimmt, wie lange wir leben dürfen” (II.3.1) Prana kann nach seinen verschiedenen Funktionen im Körper weiter in Prana, Apana, Samana, Udana, Vyana (siehe Kapitel Vayus) aufgeteilt werden. Weitere zentrale Elemente in der Pranayama Kosha sind die Chakren und die Nadis (siehe folgendes Kapitel)
  • Manomaya Kosha (Geistige Ebene/ “Seelische” Hülle): Dieses Kosha liegt in der vorherigen, der energetischen Schicht. Die Manomaya Kosha besteht aus Manas, dem Geist, (siehe Abschnitt Anthakarana) und aus den fünf Sinnesorganen. Er ist an die 5 Sinne gebunden und neigt dazu herumzuspringen; der „monkey mind“.
  • Vijnanamaya Kosha (Ebene der Intuition/ die Weisheits-Hülle): Innerhalb der geistigen Schicht gibt es die Vijnanamaya Kosha, welche die Schicht der Weisheit ist. In den Upanishaden heißt es:” Weisheit bedeutet ein Leben des selbstlosen Dienstes. / Auch Götter suchen geistige Weisheit. Diejenigen, die Weisheit erlangen, sind von der Sünde befreit und finden alle ihre selbstlosen Wünsche.” (II.5.1.) Diese Hülle enthält auch Buddhi – den Intellekt, der mit den fünf Sinnesorganen in der vorherigen Schicht zusammenarbeitet.
  • Anandamaya Kosha (Ebene der Freude / die Glückseligkeits-Hülle): Schließlich liegt innerhalb der Vijnanamaya Kosha die Anandamaya Kosha, die reine Glückseligkeit, die sich zu Brahman, dem Höheren Selbst, öffnet.

In diesen 3 Körpern,  sind die 5 Koshas enthalten:

  • Grobstofflicher Körper (Sthula Sharira) Anamaya und Pranamaya Kosha
  • Astral Körper (Linga Sharira) Mano- und Jnanamaya Kosha
  • Kausal – Ursachen Körper (Karana Sharira) Anandamaya Kosha

  

“Das Selbst ist die Quelle der bleibenden Freude.
Unsere Herzen sind voller Freude, ihn in den
Tiefen unseres Bewusstseins verankert zu sehen.
Wenn er nicht da wäre, wer würde atmen, wer leben?
Er ist es, der jedes Herz mit Freude erfüllt.
Jemand, der das Selbst begreift, in dem alles eins ist,
wechsellos, namenlos, formlos,
derjenige fürchtet sich nicht mehr.
Bis wir die Einheit des Lebens begreifen, leben wir in Angst.” (II.6.1.)

 

In den Lehren der Upanishaden gibt es eine Anekdote, die beschreibt, wie man sich praktisch durch diese Schichten durcharbeiten und damit die Erfahrung von Brahman erreichen kann.

Die Upanishaden erzählen von dem Schüler Bhrigu, der seinen Vater, Varuna, der auch sein Lehrer war, fragte, was das Selbst sei. Sein Vater antwortete, er müsse zuerst über die Nahrung lernen. Bhrigu meditierte über die Nahrung und begriff so die Natur der ersten Schicht (Anamaya Kosha). Er ging zu seinem Vater zurück, weil er spürte, dass es noch mehr zu erfahren gab. Wieder bekam er die Antwort zu meditieren. Als er das tat, erkannte er die Natur der zweiten Schicht, der Pranamaya Kosha. Er wollte noch mehr lernen, ging wieder zu seinem Vater und wurde von diesem wieder angewiesen zu meditieren. Daraufhin erkannte Bhrigu die Natur seines Geistes und erkannte die Manomaya Kosha. Er ging noch zweimal zurück zu seinem Vater, nur um wieder den Auftrag zu bekommen zu meditieren. Nach dem vierten Mal erkannte Bhrigu die Schicht der Weisheit und schließlich, tief in seiner Meditation versunken, erkannte er Brahman und fand ewige Glückseligkeit, Ananda. So ist der praktische Rat der Upanishaden einfach; suche das Höhere Selbst in Deiner Meditation. Das ist die Praxis des Yoga.

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